Inge Wrobel: Noli me tangere

4. März 2017
Drüsiges Springkraut

Drüsiges Springkraut

Noli me tangere

© Inge Wrobel

Komm nicht zu nah, du könntest mich erschrecken
und so was wie Vertrauen in mir wecken.
Bleib lieber fern – du sollst mich nicht berühren,
am Ende willst du mich vielleicht verführen?

Ich will das nicht – das ist mir zu gefährlich!
Denn – gib es zu, und sei dabei ganz ehrlich:
kaum fällt ein Schatten auf die Traulichkeiten,
beginnt das Glück, uns Sorgen zu bereiten.

Du willst viel lieber eigne Wege gehen,
entziehst dich mir, lässt mich alleine stehen.
Mein ganzes Leben ist es so gegangen.
Ich bin es leid, schon wieder anzufangen.

Drum sagt mein Name, was ich nicht verkraften kann:
Lass mich in Ruhe, bitte, und: Rühr mich nicht an!

*

Anmerkung: Noli me tangere, deutsch: Rühr mich nicht an; volkstümlicher Name für das Großblütige Springkraut (Impatiens noli-tangere), Herbstpflanze

© Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit Zustimmung der Rechteinhaber

Inge Wrobel und Ronald Henss: Herbstlaub. Gedichte und Fotos
Dieses Gedicht stammt aus dem eBook

Inge Wrobel und Ronald Henss
Herbstlaub
Gedichte und Fotos
eBook Amazon Kindle

***

Advertisements